Gewalt an Kindern

Gewaltverbot in der Erziehung

In Österreich ist jede Form von Gewaltanwendung in der Erziehung nicht erlaubt.

Im Gesetz steht:
" … Eltern haben das Wohl ihrer minderjährigen Kinder zu fördern, ihnen Fürsorge, Geborgenheit und eine sorgfältige Erziehung zu gewähren. Die Anwendung jeglicher Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig. Soweit tunlich und möglich, sollen die Eltern die Obsorge einvernehmlich wahrnehmen" (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch, § 137).
 
Auch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen schreibt ein Recht des Kindes auf Schutz vor jeder Form von Gewalt, vor Misshandlung, Vernachlässigung oder sexueller Gewalt (Artikel 19) vor.
 
Mit dem Bundesverfassungsgesetz über die Rechte der Kinder hat der Nationalrat ein gesellschaftspolitisches Signal gesetzt und das umfassende Wohl von Kindern und Jugendlichen zu den grundlegenden Staatszielen erklärt.
 
Im Artikel 5 heißt es:
(1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexuelle Gewalt und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Gewalt.

(2) Jedes Kind als Opfer von Gewalt oder Misshandlung hat ein Recht auf angemessene Entschädigung und Rehabilitation. Das Nähere bestimmen die Gesetze."

Wichtige Bezugspersonen von Kindern sind Kindergartenpädagoginnen bzw. Kindergartenpädagogen oder Fachpersonen in Betreuungseinrichtungen und Schulen. Das Merkblatt Kinderschutz enthält wichtige Informationen zu den Bereichen Gewalt an Kindern, Mitteilungspflichten und zum Vorgehen in der Praxis bei Gefährdungssituationen von Kindern.

Gemeinsam mit anderen Kinderschutzeinrichtungen setzt sich die kija dafür ein, dass Kinder nicht mehr geschlagen werden!


Das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit

Wer sich mit dem Thema Kinderschutz beschäftigt, kommt an Hans Czermark nicht vorbei. Seine Studien zur Auswirkung von Gewalt auf die Entwicklung von Kindern waren bahnbrechend, mit Günter Pernhaupt hat er über die Einstellung der Österreicher zu diesem Thema das Buch „Die gesunde Ohrfeige macht krank. Über die alltägliche Gewalt im Umgang mit Kindern“ veröffentlicht.

Anlässlich „25 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich“ wurde im November dieses Jahres (2014) dieselbe Thematik – basierend auf dem wortgleichen Fragenkatalog – in Form einer neuerlichen Untersuchung aufgegriffen.

Unter dem Titel „DAS RECHT AUF EINE GEWALTFREIE KINDHEIT, 25 Jahre gesetzliches Gewaltverbot – eine Zwischenbilanz“ wurden die aktuellen Ergebnisse zusammengefasst und in einer gemeinsamen Publikation der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs und des Bundesministeriums für Familie und Jugend veröffentlicht.


Informationen für junge Menschen bei sexueller Gewalt

Schutz und Hilfe

  • Über deinen Körper bestimmst du allein
    Du bist wichtig und hast das Recht zu bestimmen, wie, wann, wo und von wem du angefasst werden möchtest.
  • Deine Gefühle sind wichtig
    Du kannst deinen Gefühlen vertrauen. Es gibt angenehme Gefühle, da fühlst du dich gut und wohl. Unangenehme und seltsame Gefühle sagen dir, dass etwas nicht stimmt. Es ist gut, wenn du über deine Gefühle sprichst, auch wenn es schwierige Gefühle sind.
  • Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen
    Es gibt Berührungen, die sich gut anfühlen und richtig glücklich machen. Es gibt aber auch solche, die komisch sind, Angst auslösen oder sogar wehtun. Erwachsene oder ältere Jugendliche haben nicht das Recht, ihre Hände unter deine Kleider zu stecken und dich an der Scheide, am Penis, am Po oder an der Brust zu berühren. Manche Leute möchten von dir so berührt werden, wie du es nicht willst; aber niemand hat das Recht, dich dazu zu überreden oder zu zwingen.
  • Du hast das Recht, NEIN zu sagen
    Überlege mit anderen zusammen, in welchen Situationen es schlecht sein kann zu gehorchen.
  • Es gibt gute und schlechte Geheimnisse
    Es gibt gute Geheimnisse, die Freude machen und spannend sind. Schlechte Geheimnisse fühlen sich schwer und unheimlich an. Solche Geheimnisse, die dir ein ungutes Gefühl geben, sollst du weitersagen, auch wenn du versprochen hast, es nicht zu tun.
  • Sprich darüber und suche Hilfe
    Wenn dich etwas bedrückt oder du unangenehme Erlebnisse hast, rede darüber und suche dir eine Person, der du vertraust. Höre nicht auf zu erzählen, bis dir geholfen wird. Überlege dir, mit welchen Menschen du über schwierige Dinge reden kannst.
  • Du bist nicht schuld
    Wenn Erwachsene oder ältere Jugendliche deine Grenzen überschreiten – ob du nein sagen kannst oder nicht –  sind die Erwachsenen verantwortlich für das, was passiert.

Genauso wie Kindesmisshandlung ist auch sexuelle Gewalt verboten, der Täter kann dafür bestraft werden, und er weiß das auch. Deshalb drohen manche Täter dem Kind oder sagen: „Das ist unser Geheimnis, du darfst es niemandem sagen“.

Auch wenn der Täter es verbietet, du darfst darüber reden und dir Hilfe suchen. Du bist nie schuld an dem, was der Täter mit dir macht.

Es ist schwierig, über sexuelle Gewalt zu sprechen und es braucht viel Mut, aber versuche trotzdem, Leute zu finden, die dir zuhören und dich unterstützen! Wenn du keinen Menschen hast, dem du vertrauen kannst, oder wenn dir niemand glaubt, rufe eine der nachstehend angeführten Stellen an. Dort wird dir geglaubt und mit dir zusammen überlegt, wohin du dich wenden kannst und wie deine Situation verbessert werden kann.


Wer hilft weiter?

Kinder- und Jugendanwaltschaft
05522 84900
oder per E-Mail: kija(at)vorarlberg.at

Telefonseelsorge
142

ifs – Institut für Sozialdienste
05 1755 510    Bregenz
05 1755 530    Dornbirn
05 1755 540    Hohenems
05 1755 550    Feldkirch
05 1755 560    Bludenz
05 1755 520    Egg (Bregenzerwald)
05 1755 565    Jugendberatungsstelle Mühletor
05 1755 535    Gewaltschutzstelle Vorarlberg

Vorarlberger Kinderdorf
05574 53978    Ambulanter Familiendienst, Bregenz, Klostergasse 11
05574 77322    Ambulanter Familiendienst, Bregenz, Mehrerauer Straße 11
05572 23401    Ambulanter Familiendienst, Dornbirn, Am Rathausplatz 4/4
05512 21567    Ambulanter Familiendienst, Egg, Klebern 561
05577 86423    Ambulanter Familiendienst, Lustenau, Schützengartenstraße 8

Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch
05522 74139           

Landeskrankenhaus Feldkirch
Kinder- und Jugendpsychiatrie
05522 403-511 Ambulanz im LKH Rankweil

Abt. Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirkshauptmannschaften
05552 6136-51514    Bludenz
05574 4951-52516    Bregenz
05572 308-53513      Dornbirn
05522 3591-54518    Feldkirch

Gerne helfen auch die Mitarbeitenden in den Jugendhäusern bzw. Jugendtreffs weiter.
(Siehe auch „Merkblatt Kinderschutz“.)

Für Eltern

Die kija informiert und hilft weiter bei Themen, wie Schwierigkeiten in der Schule, Straffälligkeit des Sohnes oder der Tochter, Sorge- und Besuchsrecht nach Trennung/Scheidung, Jugendschutzfragen und, und, und …

T 05522 84 900
kija(at)vorarlberg.at